Liebe Tina,

mit großer Freude und natürlich unheimlich viel Stolz begrüßen wir dich wieder zurück von deinem Olympiaeinsatz in Rio. Vergoldet mit der Mannschaft. Und Bronze in der Einzelwertung. Desperados FRH und du habt nach eurer Olympiapremiere in London vor vier Jahren einen großen Sprung gemacht und erobert nun die Weltspitze. Wir ziehen den Hut und richten dir von ganzem Herzen unsere Gratulation aus!

Dabei können wir uns noch gut an deine Anfänge erinnern als du sogar mal gesprungen bist in Springreiterwettbewerben und E-Springen. Oder als du beim Erwerb des Abzeichens deine Schwester Tanja im Parcours in Schach halten konntest und sie sich dafür im Viereck mit schönen Vorstellungen revanchierte.

Nathan hieß der in Westfalen gebrannte Ponywallach, der damals vierjährig in den Besitz von dir und Tanja wechselte. Er wurde bei uns geboren und du warst anfänglich noch nicht ganz glücklich mit ihm, war er ja ein unberechenbarer Jungspund und gerade erst vier Jahre alt. Ich habe ihn einfach vorbeigebracht, weil ich von seiner Klasse überzeugt war. Nathan lebt immer noch. Er müsste jetzt 26 Jahre alt sein. Du warst mit ihm im Ponyclub Dinklage, kürtest dich zu Weser-Ems-Meisterin 1999 in Aschendorf und zeichnetest dich mit zwei Top-Ten-Platzierungen bei den Deutschen Meisterschaften im Jahr 2000 in Exter und 2001 in Elmlohe aus. Als Highlight und erster großer internationaler Auftritt folgte die Teilnahme bei der Pony Heim-EM in Hagen. Du kannst dich sicher noch erinnern, ihr wurdet betreut von Bernd Moormann. Auf unseren Turnieren warst du immer fixer Bestandteil im Showprogramm als einzige Dressurreiterin. Stephan Krawcyk, der bekannte Sprecher, sagte damals: „Hier kommt Deutschlands Top-Nachwuchsreiterin. Von der wird man viel hören.“ Und er sollte Recht behalten.

Der Sprung in die Juniorenklasse wurde mit Wyoming bravourös gemeistert: Dein Debüt im Jahr 2003 konntest du wohl mit der Einzelmedaille bei einem internationalen Championat und dem in Aachen gewonnen deutschen Meistertitel eindrucksvoll besiegeln. Bei den Junioren-Europameisterschaften in Saumur folgten im selben Jahr Silber (Mannschaft) und Bronze (Einzel). Im Jahr darauf Gold (Mannschaft) und Bronze (Einzel) in Aarhus. Schützenhilfe und Unterstützung gab es von Rose Noir und Royal Flash, die dir den Aufstieg in die Klasse der Jungen Reiter ermöglichten. Und dies wiederum erfolgsgekrönt und mit Medaillen im Gepäck: Gemeinsam mit Royal Flash gab es bei der EM in Stadl-Paura im Jahr 2006 Gold und Bronze in der Mannschafts- und Einzelwertung. Er war auch derjenige, mit dem du die ersten Grand Prix-Erfolge feiern konntest.

Vier Jahre später trat 2010 Desperados FRH in dein Leben. Der Partner im Viereck, der deinen sportlichen Werdegang maßgeblich prägen sollte und dir den Weg zur Weltspitze ebnete. Du hast den im Zuchtgebiet Hannover geborenen Hengst von seinem Ausbildner Falk Rosenbauer übernommen, der zuvor mit ihm im Deutschen Dressur-Derby 2010 siegreich war. Nur ein Jahr später wurdest du 2011 in den A-Kader der deutschen Dressurreiter berufen und konntest bei den Stuttgart German Masters in deinem letzten Jahr als U-25-Reiterin das Finale des Piaff-Förderpreises um den Preis der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung für dich entscheiden.

Im März 2012 gelang dir der Durchbruch im internationalen Spitzensport beim CDI4*in Dortmund mit deinem Triumph im Finale des Meggle Champions im Grand Prix Special mit – und das ist wahrlich beeindruckend – 81,978 %. Zu Beginn der „grünen Saison“ erreichst du in der Grand Prix Kür beim CDI4* in Hagen a.T.W. mit Desperados FRH ein Ergebnis von 83,775 %. Durch deine Erfolge in den Jahren 2011 und 2012 konntest du in weniger als acht Monaten in die Top 20 der FEI-Weltrangliste aufsteigen. In Zahlen: von Platz 125 auf Platz 17. Und es folgte das Debüt bei den Olympischen Spielen in London, wo du mit der Mannschaft Silber holen konntest und in der Einzelwertung Achte wurdest. Damals habe ich im Büro mitgefiebert. Meine Sekretärin musste mitarbeiten und für mich die Übertragung einrichten. In der Firma war irre viel los und das Büro voll. Wir haben nach den Olympischen Spielen eine eigene “London-Olympiagalerie“ am Horsepark eingerichtet.

Vergoldet mit der Mannschaft wurdet ihr bei der Europameisterschaft 2013 in Herning. Darüber hinaus gab es zwei fünfte Plätze im Special sowie in der Kür. Im Jahr danach sicherte ihr euch den deutschen Meistertitel im Grand Prix Special und auch in der Grand Prix Kür – erstmals mit einem Ergebnis von über 90%. Bei den Weltreiterspielen in der Normandie wurdest du Weltmannschaftsmeisterin mit der deutschen Equipe und erreichst Platz drei im Grand Prix Special sowie Platz vier in der Grand Prix Kür.

Das Projekt Titelverteidigung wurde bei den deutschen Meisterschaften 2015 erfolgreich in Angriff genommen. Es war das prestigeträchtige Jahr, wo das Gestüt Sprehe mit seinem Bereiter Denis Nielsen und Schimmelhengst DSP Cashmoaker beide Meister stellte. Ein Erfolg auf ganzer Linie! Die im selben Jahr ausgetragene EM in Aachen beendet ihr mit einem dritten Rang in der Mannschaftswertung sowie zwei zweiten Plätzen in der Einzelwertung. Da fällt uns der Kommentar von Jörne ein, wo du sehr knapp hinter Valegro warst und Jörne meinte, dass sie hätte Desperados etwas springen müssen, dann wären die Galoppsprünge noch höher gekommen. Mit einem Fehler in der Dressur kann man noch gewinnen, im Springen ist man weg. Es hat sich im letzten Jahr auch privat einiges getan und du hast deinen langjährigen Lebensgefährten Christian Bröring geheiratet.

In dieser Saison 2016, dem Jahr wo du mit Despi zum ersten Mal die Weltrangliste anführen konntest, kamst du von der Deutschen Meisterschaft wiederum mit zwei Medaillen – Silber und Bronze – nach Hause. Und warst dann der deutschen Equipe in Rio eine große Stütze. Vor den Olympiaauftritten kam ja auch die Story mit dem abgelehnten Playboy-Angebot. Dein Vater hat gesagt, du hättest es dir mal anhören können. Was wir uns jetzt spaßhalber gefragt haben: Ist der Preis mit der Goldmedaille hochgetrieben worden?

Wir waren und sind damals wie heute ein guter Familienverbund. Mama bekrittelt zwar manchmal deine Unordentlichkeit, Papa hebt dafür am liebsten deinen sportlichen Ehrgeiz und deine Ausgeglichenheit hervor. Zu deinen treusten Unterstützern zählen sicherlich auch Onkel Albert und das Gestüt Sprehe. Albert als Förderer und das Gestüt als Besitzer von Despi. Du wurdest von ihm bei deiner Rückkehr von Rio mit der Kutsche abgeholt und er hat dich in den 30 km entfernten Stall gefahren.

Zusammen helfen wir uns einander und freuen uns über den Erfolg des anderen. Wir sind unheimlich stolz auf dich und wünschen dir weiterhin so viel Erfolg. Viel Freude bei unserer gemeinsamen Passion. Glück und Gesundheit für deine weiteren Ziele.

Deine Jörne, Joelle, Eric, Inge und Josef

Collage Kristina Olympia